Geoökologisches Modellgebiet "Riesenbecker Osning". 25 Jahre Ökosystemforschung im nordwestlichen Teutoburger Wald

58. Lethmate, J.

2013, 381 Seiten (29,80 €)

Der Band 58 der Geographischen Kommission für Westfalen über den Riesenbecker Osning untersucht erstmals den Sandsteinzug des nordwestlichen Teutoburger Waldes mit einem ökosystemaren Ansatz: Ausführliche Analysen atmosphärischer Stoffeinträge, der Flora und Vegetation, Böden und Quellwässer des Modellgebietes münden in eine Ökosystembilanz und deren Bewertung mittels umweltpolitischer Belastungsgrenzen. Die floristischen und hydrochemischen Langzeitvergleiche gehen zurück bis in die Jahre 1976 bzw. 1965. Alle ökosystemaren Hypothesen werden einem kritischen und erkenntnistheoretischen Rekurs unterworfen. Die Organisationsebenen der regionaltypischen Biodiversität werden über waldbezogene Indikatoren annähernd bestimmt. Die Kontroverse um das nationale Buchenwalderbe sowie Aspekte der Umweltgeschichte schließen die Analyse ab.

Unter den mitteleuropäischen Waldgebieten besitzt der Teutoburger Wald keine Sonderstellung, überall verändern Versauerung und Eutrophierung das Waldökosystem. Im Riesenbecker Osning sind die Veränderungen gravierend und bis hin zum Ökosystemaustrag, dem Waldwasser, messbar. Der tief versauerte Waldboden speichert bis heute große Mengen an Schwermetallen, insbesondere Blei, das bereits im Quellwasser ausgeschwemmt wird. Der Wald hat seine Ökosystemdienstleistungen verloren, „gesunden“ Boden und „gesundes“ Wasser zu bilden. Der Klimawandel wird auch im „Teuto“ zu einer Mediterranisierung des Klimas und damit zu einer veränderten Baumartenzusammensetzung führen, ohne dass heute schon eine konkrete Aussage zur zukünftigen Waldstruktur gemacht werden könnte. Die Buche, Hauptbaumart der heutigen potentiellen natürlichen Vegetation, wird im Wald der Zukunft kaum die einzige Baumart sein.

Die Studie über den Riesenbecker Osning liefert damit Grundlagen für ein ökologisches Langzeitmonitoring, einen umfassenden Beitrag zur Geoökologie der Region „UNESCO Geopark nördlicher Teutoburger Wald“ sowie ein ökologisches Bildungsangebot in einem außerschulischen und außeruniversitären Lernort. Das geoökologische Bildungspotenzial des Modellgebietes geht weit über die bisherigen Angebote hinaus. Vor allem für Oberstufenschüler bietet der Band 58 der Westfälischen Geographischen Studien Anlässe für biologie- und geographiedidaktische Projekte, die dem aktuellen didaktischen Anspruch an ein Systemdenken entsprechen.